Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt

Mit schöner Regelmäßigkeit gehen große, komplexe Software-Projekte schief (ein willkürlich gewähltes Beispiel: hier). Ich selbst kann mich sehr gut an ein Projekt bei einem Verlag erinnern, das ebenfalls grandios scheiterte. Man wollte damals die Eierlegende Wollmilchsau der Redaktionssysteme schaffen. Heute würde das wohl unter dem Schlagwort Enterprise Content Management oder kurz ECM laufen. Damals ging es schlichtweg darum etwas zu schaffen, bei dem Artikel und Bildmaterial einmal erfasst, für alle gängigen Medien publiziert werden können.

Gescheitert ist das Projekt deshalb, weil – siehe Überschrift – es immer anders kommt als man denkt. Denn erst in der Praxis hat sich gezeigt, dass sich der Publikationsprozess quer über alle Medien und Publikationen nicht vereinheitlichen ließ. Das eine Magazin benötigte beispielsweise fünf Zeilen Vorspann, das andere mindestens acht. Für die CD (die gab es damals noch auf Heften) wurde gar kein Vorspann benötigt und Online durften es nur zwei Zeilen sein. Kaum war das alles auseinander sortiert gab es bei irgendeiner der vielen Publikationen ein Redesign und schon durfte man wieder von vorne anfangen.

Wenn aber Pläne so häufig zur Makulatur (siehe auch agiles Projektmanagement) werden, warum planen wir dann überhaupt?

Eine passende Antwort liefert uns wieder einmal der große Stratege und ehemalige US-Präsident Dwight D. Eisenhower:

In preparing for battle, I have always found that plans are useless but planning is indispensable (unabdingbar).

Mit anderen Worten: Es kommt auf den Prozess des Planens an. Das hilft einem das Projekt und seine Parameter besser zu verstehen und versetzt einen in die Lage, im Falle eines Falles die richtigen Dinge zu tun um es am Ende doch erfolgreich abschließen zu können.

Das leidige Thema Projekt-Timeline

Ich weiß ja nicht, wie es bei Ihnen ist, aber ich gehöre zu den Leuten, die nie genug Zeit für ein Projekt haben. Nicht in der praktischen Umsetzung, sondern in der Planung. Egal wie ich es drehe und wende, zum Ende hin läuft mir die Zeit weg. Fange ich ausgehend vom Enddatum an, habe ich immer das Gefühl zu wenig Zeit für die einzelnen Schritte zu haben. Gehe ich hingegen von Aufgabe zu Aufgabe voran, landet das Enddatum viel zu weit in der Zukunft.

Der Grund dafür ist, dass ich mir immer viel zu viele Gedanken darüber mache, wie bzw. wann die Team-Mitglieder die gestellten Aufgaben bewerkstelligen können. Ich weiß ja, dass sie auch ohne das Projekt viel zu tun haben. Ja, ich weiß, dass das der falsche Ansatz ist. Schließlich wissen wir spätestens seit Hornbach, dass das Projekt das Ziel ist!

Trotzdem schadet es meiner Meinung nach nicht, die Arbeitsbelastung der Team-Mitglieder bei der Planung stärker zu berücksichtigen als es gemeinhin üblich ist. Alles andere führt nur zu Problemen. Entweder kommt es nämlich doch zu Verzögerungen oder man muss „den harten Hund“ geben und vermiest sich dauerhaft die Arbeitsatmosphäre.